Frostlied

Samtpfoten lichterloh Tasten, tanzen Paradies Sanfter Sturm, stilles tiefes Tal Windspiel klimpert klingt Leise Laute von silbern Schnee

Unerbittlich

Berstendes Schelf, ein Regen von Splittern, Zertrümmert von grobschlächtiger Faust Sturzflut durchbricht und reißt Den altersgebeugten Damm nieder Rauschend und tosend All die haltlosen Brücken genommen Ächzender Stahl aus den Angeln Gehebelt, verbogen, gefaltet Als wärs nur Papier, zischend Vom siedenden Malstrom verschlungen

Marzipan

Der Himmel in Fetzen von rostigem Rot Bleischwer die Luft hauchenden Stahls Laternenlinie leuchtet fahl den Weg Gehetzte Blicke linkisch und feig Voll fliehender Tinte das welkende Blatt Schwanger vom Duft der Bittermandel

Reisefieber

Schillernd Schuh schreibbereit Tippeln den Halbmond entlang Glücklich ummantelt pelzgesäumt In Händen lederne Koffer Daraus Bilder und Rahmen Wie Fernweh, wie Weite Auf dem Fluge von Seifenblasen Durstig schöpfen und trinken

Eintagsfliege

Leise huschts und wisperts Auf dem Gang vor veschlossener Tür Die Spatzen wussten’s schon Längst rumort es auf den Dächern Die Altgewordne atmet schwer Bald flach, bald seufzend, ganz ohne Regel. Wer will Tränen weinen, wer schon trauern? Sie war tod geboren in eben jenem großen Rauschend Fest aus Schall und Rauch Ein kurzes Leben…

Vernetzt

Verstaubt rauher Lederrücken Wirbelnd Duft von gilbendem Papier Abgegriffen die speckig Seitenränder Worte blättern und verwehen Haptisch, blank und kühl In klebrige Weite gewoben Verloren unvergänglich Eine unter vielen viel zu kleinen Fliegen

Verheißung

Schlieren, Schleier, schemenhaft Entsteigen mohngekränzte Feen Schwärmend Tanzen traumverhaft Im milden Licht besehen Liebe laichend konzertant Mückentot geschehen Hingebungsvoll im Unverstand Verschmelzen und vergehen

Angellied

Vom Rande der Nacht Zischt In weitgespanntem Bogen Fällt Ins leise Spiel der Ferne Kräuselnd In dunklen Wassern Kreise ziehend Warten

Tunnelblick

Verleibe mir die Sieben ein Rase durch mein Dunkel Langes Lächeln macht mich klein Gläsern Tür Gemunkel Aufgesetzte Welt aus Klang Säuglingsschrei und tiefer Kinderaugen Sang Mein dunkler Traum aus Schiefer

Gepflogenheiten

Wiegende Wogen Verbiegen, verbogen Küsse verlogen Liebe betrogen Haltlos entzogen